Spiritualität - Was ist das?
Spiritualität - das klingt nach Meditation und Gebet, nach Yoga und Zen. Spiritualität ist wie ein Brunnen, aus dem ein Mensch schöpft: Die Architektur des Brunnens ist individuell, jeder Brunnen kann anders aussehen. Doch das Wasser ist immer dasselbe. Spiritualität gibt der Sehnsucht nach Gott eine Form und dem Glauben die Möglichkeit sich lebendig auszudrücken.
Heute gibt es viele spirituelle Strömungen und Schulen, die sich oft gar nicht widersprechen sondern gegenseitig bereichern: fernöstliche, esoterische, muslimische und natürlich christliche. Eine davon ist die ignatianische Spiritualität.
Ignatianische Spiritualität
Ignatianische Spiritualität bedeutet: Gott in allen Dingen zu suchen, Gottes Liebe im eigenen Leben zu erfahren und darauf Antwort zu geben.
Ignatianische Spiritualität
- achtet die Eigenart jeder einzelnen Person
- ist befreiend
- hilft bei der Lebensgestaltung
- bietet konkrete Übungen
- ist kirchlich
- ist offen für Elemente anderer Schulen, zum Beispiel Zen
Es geht immer um:
- Aufmerksamkeit für das, was im Alltag passiert
- Die Wahrheit des eigenen Lebens mit allen Sinnen wahrnehmen
- Entscheiden, wie es im Leben weitergehen soll
- Mit Gott darüber ins Gespräch kommen
- Konkrete Umsetzung im Alltag
Das Herzstück der ignatianischen Spiritualität sind:
Ignatianische Exerzitien
Vor 500 Jahren hat Ignatius von Loyola herausgefunden, wie er Menschen auf ihrem Lebens- und Glaubensweg zu geistlichen Einsichten führen kann. Grundlage der ignatianischen Spiritualität ist bis heute "Gott suchen und finden in allen Dingen" - also eine der Welt und dem alltäglichen Leben zugewandte Haltung. Die "Unterscheidung der Geister" ist eine geistliche Hilfe zur Entscheidungsfindung. Schon früh hat Ignatius erkannt, dass es Regungen und Gefühle gibt, die dauerhaft "tröstlich" sind, also aus Gottes Geist kommen, und welche, die letztlich traurig oder "untröstlich" machen und daher aus dem Un-Geist sind. Die Entscheidung setzt ein drittes Element voraus, die "Indifferenz", bei der es darum geht das innere Gleichgewicht zu finden, das echte Freiheit erst ermöglicht.
Im Nachklang des Zweiten Vatikanischen Konzels fand eine Rückbesinnung und Weiterentwicklung der Ignatianischen Exerzitien statt. Heute finden sich in der Meditiationspraxis viele Elemente des Zen-Buddhismus und der Kontemplation. An einem ganzheitlichen Konzept orientierte Körperübungen können in die Kurse eingebunden werden, zum Beispiel auf der Grundlage der Eutonie. In die Ausbildung der Begleiter fließen die Kenntnisse der modernen Psychologie und Psychotherapie ein, zum Beispiel nach C.G. Jung, P. Assagioli und C. Rogers.
In kürzerer Form werden ignatianische Exerzitien oft als fünf- bis zehntägige Kurse angeboten. Die Tage sind ausgefüllt mir vier persönlichen Gebetszeiten - jeweils eine Stunde, einem Begleitungsgespräch und einem Gottesdienst in der Gruppe. Manchmal werden Körperübungen oder weitere Gebetszeiten in der Gruppe angeboten. Üblich sind gemeinsame Mahlzeiten, die genauso wie der ganze Kurs in vollem Schweigen stattfinden.
Inzwischen gibt es neben den klassischen Exerzitien auch "Exerzitien im Alltag", Film-Exerzitien und sogar Online-Exerzitien.
Ziel des Weges ist immer, die persönliche "Berufung" herauszufinden, sich für sie zu entscheiden und dann entschieden danach zu leben. Dazu gehört es, die ganze Wahrheit des eigenen Lebens zuzulassen und anzuschauen - ein oft auch schmerzlicher Prozess. Psychologisch gesehen bedeutet das so etwas wie "Integration", theologisch heißt das "Versöhnung" - mit sich selbst, mit dem Leben und in all dem mit Gott. Mit Verstand und Gefühl, Glauben und Vernunft, Wissen und Mystik geht der Mensch in den Exerzitien seinen eigenen psychodramatischen Weg von der Bestandsaufnahme zur Entscheidung und durch Leiden zum Leben.
Lesen Sie auch das Interview mit dem Rektor des Exerzitienhauses der Diözese Mainz, Pfarrer Walter Mückstein.
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Pater Dr. Willi Lambert SJ ist ebenfalls einer der bekanntesten Exerzitienleiter Deutschlands. Er beschreibt die "Exerzitien - Geistliche Übungen" auf katholisch.de